Lilla Fésüs, Lilly, gebürtige Ungarin, lebt seit 3 Jahren in Vorarlberg und arbeitet seit 19 Monaten bei Fusonic in Götzis. In einem Interview erzählt sie uns über ihren Werdegang, den Weg von Budapest über Wien ins Ländle, ihre Tätigkeit bei Fusonic und das Leben als Expat in der Region.

Mehr zu Ihrem Job, ihrer Sicht zur neuen Heimat Vorarlberg und wie sie die damit verbundenen Herausforderungen anging, findet ihr im kompletten Interview.

Lilly hat unsere Fragen beantwortet:

Lilly, was steht auf deiner Visitenkarte?
Lead Software Developer.

Was ist das coolste an deinem Job?
Die Vielfältigkeit der Probleme, der Weg zur Lösung und etwas Greifbares zu schaffen. Kein Tag ähnelt dem anderen und es wird mir nie langweilig. Auch die Flexibilität ist nicht zu unterschätzen. Sowohl zeitlich als auch räumlich hat man bei diesem Job und bei Fusonic generell eine so hohe Flexibilität wie bei wenig anderen Berufen.

Welche Einschränkungen bringt dein Job mit sich?
Ich sehe das nicht als Einschränkung, aber Teamarbeit und Teamfähigkeit sind unerlässlich.

Wie gestaltet sich dein Arbeitstag und was musst du dafür können?
Ich habe an manchen Tagen viele Meetings, an manchen Tagen kann ich ruhig programmieren und an manchen muss ich anderen bei Problemen helfen. Analytisches Denken, Neugier und keine Angst vor Herausforderungen sind dabei sehr wichtig. Wissen wo man nachfragen oder nachschauen kann sind des Weiteren genauso wichtig wie das Kennen einer Programmiersprache oder Framework.

Zu deinem Werdegang: Welche Ausbildung hast du gemacht?
Ich habe an der Technischen Universität Wien Medieninformatik studiert. Das Studium verbindet IT auf den Gebieten der Computer Vision, Computer Graphics und Visualisierung mit der Ausbildung im Design von innovativen Interfaces.

Was hast du davor gemacht?
Informatik liegt bei uns in der Familie. Meine Eltern sind Informatiker, mein Großvater war Mathematiker und auch mein erster Ferienjob war bei einer IT-Firma. Der einzige Ausreißer war eine Praktikantenstelle bei einer Bäckerei neben dem Studium.

Wie hast du von Fusonic erfahren?
Google. Ich war bei meinem vorherigen Arbeitgeber nicht zufrieden und habe nach einem schwierigen Tag nach Front-End Entwickler-Stellen in Vorarlberg gegoogelt. Die Stellenausschreibung habe ich sowohl auf der Homepage als auch auf laendlejob.at gefunden und habe mich noch an dem selben Tag beworben.

Was hat schließlich dazu geführt, nach Vorarlberg zu kommen?
Ich wollte vor dem Abschluss meines Studiums Berufserfahrung sammeln und habe mich in ganz Österreich für sämtliche Praktikumsstellen beworben, unter anderem auch bei OMICRON. Als sich die Möglichkeit bot, 3 Monate in Vorarlberg bei OMICRON zu arbeiten, hat mich am meisten meine Mutter ermutigt, die Stelle anzunehmen. Sie hat gesagt: „Du bist noch jung und frei, gehe die Welt erkundigen, weil so weit wirst du so leicht nicht kommen“.
Als ich schlussendlich hier war, wollte ich nicht mehr weg. Meine kurze und schlüssige Antwort auf diese Frage ist: „Ich habe mich in die Berge verliebt.“ Dieses Gefühl teilen auch sonst viele: Egal wer uns besuchen kommt, geht mit schwerem Herzen wieder nach Hause. Ich gebe zu, es ist ein bisschen weit weg, 6 Stunden bis Wien und 9 Stunden bis Budapest, aber es ist immer noch näher als Australien. Außerdem gibt es eine sehr gute und direkte Zugverbindung. Manchmal stelle ich mir die Frage, ob wir nicht doch in der Nähe von Wien hätten bleiben sollen. Aber wenn ich daran denke Vorarlberg verlassen zu müssen, wird mir schwer ums Herz.

Bevor du nach Vorarlberg kamst, hast du bereits 8 Jahre in Wien gelebt. Wie war für dich die Umstellung von Wien zum Ländle?
Befreiend. Mir fehlt die Großstadt gar nicht. Gerade das Rheintal bietet mir die beste Mischung aus Land und Stadt. In kurzer Zeit kann ich sowohl die Natur als auch einen Supermarkt erreichen. Die Leute sind freundlich, man begrüßt sich auf der Straße und das Leben zieht hier nicht einfach anonym vorbei.

Wie lange bist du schon hier? Wie hast du dich eingelebt?
Seit 3 Jahren. Wir haben hier unser Leben aufgebaut. Am Anfang schliefen wir auf einer 120cm breiten Matratze, jetzt kauften wir eine eigene Wohnung. Wir sind mit einem Kleintransporter umgezogen mit den Sachen, die wir von der Familie geschenkt bekamen, jetzt müssen wir ein Umzugs-Service buchen. Ich habe hier die österreichische Staatsbürgerschaft beantragt und bekommen. Ich bin hier einfach wiedergeboren.

Wie sieht deine Community aus? Hast du Vorarlberger Freunde gefunden?
Ja, sowohl Kollegen als auch Nachbarn zählen zu meinem Freundeskreis. Ich sehe überall bekannte Gesichter und kann mich mit jedem unterhalten.

Hattest du besondere Hilfestellungen hier in Vorarlberg?
Bevor wir uns ein Auto leisten konnten, habe ich mich gerne mitnehmen lassen. Vom Muttersberg in Bludenz bis zum Bahnhof nach einer anstrengenden Wanderung, von Lauterach nach Wolfurt im Regen mit den Vorzimmermöbeln oder aus Lauterach nach Dornbirn nach dem Kinofilm. Ich habe so viel Gutes erlebt und würde anderen genauso gerne helfen.

Was hat dich positiv bzw. negativ überrascht in Vorarlberg?
Ich habe hier das erste Mal erlebt, dass Leute andere bei der Kassa vorlassen. Die Vorarlberger sind sehr freundlich, offen, nett und hilfsbereit. Irgendwie ist es auch nicht so stressig hier wie in Wien. Ich sage nicht, dass es keinen Stress gibt, aber das Autofahren, der öffentlicher Verkehr, das Einkaufen oder sogar in der Schlange warten ist hier viel angenehmer und ruhiger.

Gab es sprachliche Barrieren? Wie kommst du mit dem Dialekt zurecht?
Es goht. Ich habe für die Matura sehr schnell – in 4 Jahren – Deutsch lernen müssen. Daher würde ich sagen, dass ich mit Sprachen keine großen Probleme habe. Auch der Dialekt ist eine andere Sprache, die ihre Regeln hat und Rückschlüsse erlaubt. Ganz schnell habe ich gelernt, das aus ‘eu’ ‘ü’ wird, wie z.B. Leute -> Lüt, heute -> hüt.
Außerdem spricht die jüngere Generation nicht mehr so unverständlich. Und wenn ich mit jemandem Hochdeutsch rede, antworten sie automatisch auf Hochdeutsch.

Was gefällt die besonders gut hier in der Region bzw. was nicht so besonders?
Die perfekte Mischung aus Land und Stadt, die Berge, die Leute, das Klima, der Verkehr. Mit dem Käse bin ich aber ein bisschen vorsichtig.

Was wäre verbesserungswürdig für Expats?
Ich fand die CHANCENLAND VORARLBERG-Seite sehr hilfreich. Gerade am Anfang habe ich die gedruckte Ausgabe öfters durchgeblättert.

Welche Tipps gibst du Expats, die nach Vorarlberg kommen wollen, bzw. was kannst du Fachkräften in ähnlicher Situation raten?
Mutig und offen sein. Gehe offen auf die anderen zu, denn Hilfe ist hier wirklich an jeder Ecke zu finden.

In Vorarlberg fehlt es an Fachkräften. Hast du aus Expat-Sicht Ideen oder Vorschläge, wie man mehr Fachkräfte ins Land bekommen und auch hier halten könnte?
Vorurteile abschaffen. Dazu können auch die Vorarlberger viel beitragen. Wenn ich von Vorarlberg schwärme, wehren sie sich mit Hand und Fuß gegen die Wahrheit. Vorarlberg ist nicht das kleine versteckte Dorf hinter dem Arlberg, das für den Rest von Österreich nicht existiert. Es ist ein verborgener Schatz, voll mit Möglichkeiten und Erlebnissen, der auf Entdeckung wartet. Sei es für abenteuerlustige, aktive, junge Leute oder für Familien. Es ist ein lebenswertes Land.

©Matthias Rhomberg

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