Der Konsument kann viel bewirken

Skinfit und TCCV erforschen gemeinsam Textil-Lebenszyklus.

KOBLACH, DORNBIRN Wie lange wird ein Textil getragen? Was geschieht am Ende damit? Und wie kann insbesondere Sportbekleidung am besten recyclet werden? Diesen und weiteren Fragen widmen sich das Unternehmen Skinfit und das Textile Competence Center Vorarlberg – TCCV
im gemeinsamen Pilot-Projekt „Textil-Zirkularität“. Darin soll die Nutzungsdauer, die Verfolgbarkeit und bestmögliche Rückgewinnung eines Textilproduktes analysiert werden. Das erspart eine aufwendige Sortierung und ermöglicht den direkten Zugang zu Materialien, die später getrennt und wiedergenutzt werden sollen. „Wir wollen einen Beitrag leisten, damit das Problem des Textilrecyclings ein Stück weit gelöst werden kann“, erklärt Daniel Frei, Geschäftsführer bei Skinfit. Der Sportbekleidungshersteller arbeitet schon seit einigen Jahren mit dem TCCV zusammen, „bei diesem Thema stehen wir allerdings erst am Anfang der Entwicklung.“ Der Unternehmenspartner ermöglicht im Projekt die Produktverfolgung und Sammlung über seine Vertriebskanäle und ruft seine Kunden zum Mitwirken auf.

Einfache Unterstützung

Beim Kauf werden Skinfit-Kunden gebeten, einen QR-Code mit ihrem Handy zu scannen, der sie zu einer Webseite des TCCV leitet. Anonym und einfach kann dort die Artikelbeschreibung (Hersteller und Produktnummer) sowie das Kaufdatum bekannt gegeben werden. Idealerweise wird dieselbe Information nochmals eingegeben, wenn das Bekleidungsstück entsorgt bzw. zurückgegeben wird. Oder man loggt sich zwischendurch ein, um anzugeben, dass das Stück noch in Anwendung ist. „Die Schwierigkeit liegt im lückenlosen Tracking, um den Produktlebenszyklus besser zu verstehen. Nicht zuletzt stellt sich die Frage, welche Anreize den Konsumenten dazu bewegen, sich am Ende wieder zu registrieren bzw. das Textil zurückzubringen“, präzisiert Frei eine der Herausforderungen im Textil-Recycling, worauf das Projekt Antworten geben soll. Weshalb es so wichtig ist, Textilien und insbesondere synthetische Fasern wiederzuverwerten, verdeutlicht Tung Pham, Leiter des Forschungsinstituts für Textilchemie und Textilphysik der Universität Innsbruck und des TCCV in Dornbirn: „Statistisch gesehen fährt jede Sekunde ein Lkw mit Alttextilbekleidung zur Mülldeponie.“ Kleidung verursacht auch Umweltprobleme, insbesondere in Zeiten der Billigkleidung und „Fast Fashion“. Das Problem ist, dass Textilien selten sortenrein sind, also nur aus einem Fasermaterial bestehen. Meist sind es Mischgewebe und die chemische Trennung und Rückgewinnung von Fasermaterialien aus Alttextilien ist bislang noch nicht möglich. „Das sehen wir als Chance und arbeiten in verschiedenen Projekten daran, einen sauberen chemischen Trennprozess zu entwickeln“, verweist Tung Phan auf weitere Forschungsbereiche des TCCV, das sich ebenso mit biobasierten Materialien sowie ganzheitlichen Lösungen für eine nachhaltige Textil-Kreislaufwirtschaft beschäftigt. Im Bereich biobasierter Materialien sind es unter anderem Alternativfasern wie Hanf, Flachs oder regenerierte Zellulosefasern. „Andererseits ist es für Hersteller wie Skinfit aufgrund der damit verbundenen Funktionalität kaum möglich, komplett weg von synthetischen Fasern zu kommen. Deshalb ist es notwendig, diese Fasern im Sinne eines echten fibre-to-fibre Recycling wieder sinnvoll zu verwerten und in den Textil-Kreislauf zu bringen.“

Vorreiterrolle

Skinfit ist sich seiner Rolle im Umgang mit synthetischen Materialien bewusst und versucht, dies so schonend wie möglich zu bewerkstelligen. Das Ergebnis ist eine hochqualitative und besonders langlebige Sportbekleidung, die auch hinsichtlich ihres Designs über viele Jahre eingesetzt werden kann. „Zudem versuchen wir die Kombinierbarkeit über vielseitige Sportarten hinweg in jedem Produkt mitzudenken, um die Summe an Bekleidungsteilen zu minimieren. Schließlich bieten wir einen hausinternen Reparaturservice an, um den Lebenszyklus nochmal zu verlängern“, erklärt Daniel Frei den eigenen Skinfit-Weg, den das Unternehmen mit Erfolg geht. Die Vision zirkulärer Produktlinien soll dennoch verwirklicht werden und zusammen mit dem TCCV wird an der ersten sortenreinen Funktionsunterwäsche gearbeitet.

Texte von Belinda Zoppoth-Pölshofer & Katharina Linhart, WISTO

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